Was kann der Nephrologe für mich tun,
bevor ich an die Dialyse muß ?

Ein Teil der Nierenerkrankungen (vor allem, wenn sie schnell entstehen) sind durch eine bestimmte Behandlung heilbar - eine schon verlorene Nierenfunktion kann wiedergewonnen werden. Bei vielen dieser Erkrankungen ist wichtig, daß sie rechtzeitig erkannt werden. Auch eine im Prinzip heilbare Nierenerkrankung führt, wenn sie länger besteht, zu Vernarbungen der Niere. Die Funktion einer vernarbten Niere kann nicht mehr verbessert werden.

Bei Nierenkrankheiten, die nicht heilbar sind, kann zum Teil zumindest die weitere Verschlechterung der Nierenleistung verhindert werden. Selbst wenn es keine besondere Therapie für eine bestimmte Nierenkrankheit gibt, bremst zum Beispiel eine sehr gute Blutdruckeinstellung die weitere Verschlechterung der Niere. Wenn man viel Eiweiß im Urin hat, gibt es bestimmte Medikamente, die einen zusätzlichen Gewinn bringen. Der Zeitraum bis die Niere ganz versagt und eine Dialyse nötig ist, wird deutlich verlängert, wenn so früh wie möglich die richtigen Maßnahmen eingeleitet werden.

Leider kann man allein aus der Tatsache, daß noch Urin gebildet wird, nicht schließen, daß auch die "Entgiftung" noch funktioniert. "Gift"- und Wasserausscheidung können unabhängig voneinander gestört sein.

Bei einer Nierenleistungsschwäche ist nicht nur die Ausscheidung von "Giftstoffen" und eventuell von Wasser vermindert. Auch Medikamente werden zum Teil nicht mehr so gut ausgeschieden. Manche Medikament müssen in verminderter Dosis gegeben werden, andere sollte man überhaupt nicht nehmen, wieder andere - vor allem solche, die von der Leber abgebaut werden- können unbedenklich eingenommen werden.

Die Niere hat neben ihrer Funktion bei der Urinproduktion und Giftausscheidung noch andere Aufgaben, die bei Nierenfunktionsschwäche nicht mehr ausreichend erfüllt werden können.

1) Die gesunde Niere produziert ein blutbildendes Hormon (Erythropoetin). Wird zuwenig davon produziert, weil die Niere erkrankt ist, so entwickelt sich eine Blutarmut (Anämie). Dieses Hormon kann heute ersetzt werden. Kein Patient muß mehr allein aufgrund einer Nierenerkrankung an einer Blutarmut leiden. Eine Blutarmut schränkt die Leistungsfähikeit des Patienten ein und belastet das Herz.

2) Die Niere ist auch nötig für die Aktivierung von Vitamin D. Deshalb und weil die verschiedenen Blutsalze (Phosphat) nicht mehr normal ausgeschieden werden können, entwickelt sich bei Patienten mit Nierenschwäche eine Störung beim Knochenbau. Durch eine rechtzeitige gezielte Behandlung kann diese Knochenstörung verhindert werden.

3) Wenn man damit rechnet, daß ein Patient irgendwann an die Dialyse muß, muß man seine Venen schonen. Blutabnahmen sind natürlich dennoch gerade bei diesen Patienten nötig. Es ist aber sinnvoll in diejenigen Venen nicht hineinzustechen, die später für einen Shunt gebraucht werden können. Vor allem sollten keine Dauerinfusionen in diese Venen geleitet werden, solange es andere Venen gibt, die einerseits groß genug für die Infusion sind, andererseits aber für die Shuntanlage nicht geeignet sind.(vgl. Seite "Welche Dialysemethode ist für mich richtig?"). Für eine spätere Shuntanlage sind die meisten Venen am Unterarm und eine Vene am äußeren Oberarm, sowie die Venen in der Ellenbeuge unter Umständen wichtig.

Ein Nephrologe ist besonders ausgebildet, um Nierenerkrankungen zu behandeln und er hat täglich mit den oben aufgeführten Punkten zu tun. Falls also Ihr Hausarzt Unterstützung bei der Behandlung von Nierenerkrankungen wünscht, ist der Nephrologe der richtige Ansprechpartner.