Wann ist die Dialyse notwendig ?
Früher hat man mit dem Beginn einer Dialysebehandlung gewartet, bis schwere Zeichen einer Harnvergiftung aufgetreten sind. Solche Zeichen waren z. B. eine Herzbeutelentzündung, Rippenfellentzündungen, dauerhaftes Erbrechen oder Bewußtlosigkeit. Wasseransammlungen im Körper - entweder in den Beinen oder in der Lunge- , die mit Medikamenten nicht zu beherrschen waren, zwangen ebenfalls zur Dialyse. Da die Niere bestimmte Salze nicht mehr ausscheiden konnte, führten Ansammlungen solcher Salze (Kalium/Phospat) im Körper zu schweren Komplikationen, wie lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen oder Knochenerkrankungen. Dennoch hat man früher solange mit dem Beginn der Dialyse gewartet, bis es den Patienten richtig schlecht ging,
Heute sind Dialyseverfahren viel schonender und besser
geworden. Außerdem wissen wir viel mehr über die Probleme der Harnvergiftung (Urämie).
Lange bevor die obengenannten Zeichen einer schweren Harnvergiftung nachweisbar sind,
verschlechtert sich der körperliche Zustand. Oft wird diese Verschlechterung der
Leistungsfähigkeit und des Allgemeinzustandes nicht einmal vom Patienten bemerkt, da sie
ganz allmählich einsetzt. Manchmal stellt man erst im Urlaub fest, daß man plötzlich
einen Berg nicht mehr hinaufgehen kann, der einem ein Jahr zuvor keinerlei Schwierigkeiten
bereitet hatte.
Bevor die schweren Zeichen der Harnvergiftung auftreten, verliert der Patient den Appetit
vor allem auf Eiweiß. Dies führt zu einer Mangelernährung, die Mangelernährung
wiederum ruft einen Abbau von Körpermuskeln hervor, so daß die Kraft nachläßt.
Wir wissen auch, daß ein Patient, der erst an die Dialyse kommt, wenn er schon
mangelernährt ist, eine deutlich kürzere Lebenserwartung hat, als ein Patient, der mit
der Dialysebehandlung beginnt, solange die Ernährung noch ausreichend und gut war.
Wenn die Dialyse zu spät begonnen wird, verliert man also nicht nur Lebensqualität,
sondern auch Lebenszeit. Deshalb bietet man den Patienten heute an, mit der Dialyse
früher zu beginnen.
Andererseits ist es natürlich nicht sinnvoll, mit einer Therapie zu früh zu beginnen, da jede Therapie natürlich auch eine Beeinträchtigung darstellt.
Leider gibt es keinen Blutwert, der einem genau sagt, ob
die Dialyse nötig ist.
Kreatinin im Blut ist ein Maß für die Nierenfunktion. Ein Kreatinin unter 1,2 mg/dl ist
normal. Je höher der Kreatininwert im Blut steigt, umso schlechter ist die
Nierenfunktion. Trotzdem kann man keinen Kreatininwert nennen, ab dem die Dialyse nötig
ist. Da Kreatinin aus dem Muskel kommt, kann ein Wert von 5 mg/dl bei einem Menschen mit
wenig Muskelmasse bedeuten, daß er an die Dialyse sollte. Auf der anderen Seite kann ein
solcher Kreatininwert von 5 mg/dl bei einem muskelstarken "Bodybuilder"
bedeuten, daß er noch viel Zeit bis zum Dialysebeginn hat.
Ein Arzt mit spezieller nephrologischer Ausbildung kann
erstens aufgrund seiner Erfahrung und zweitens aufgrund von Meßwerten aus Blut und Urin
am ehesten abschätzen, wann er zum Dialysebeginn raten soll. Beispielsweise kann er aus
den Blutwerten und aus einem über 24 Stunden gesammelten Urin berechnen, ob die
Eiweißzufuhr mit der Nahrung noch ausreicht, um z. B. den Muskelverlust zu verhindern.
Eine Berechnung der Nierenfunktion aus Blut und Sammelurin ermöglicht auch eine genauere
Beurteilung der Funktion der Niere als die ausschließliche Blutwertbestimmung.
Der Arzt kann, wenn er die Nierenerkrankung kennt und einige Werte im Verlauf mehrerer
Monate hat, auch abschätzen, wie lange man noch nicht mit einer Dialyse rechnen muß. Bei
konstanten Verhältnissen verdoppelt sich der Kreatininwert etwa konstant. Das bedeutet:
Ist der Kreatininwert innerhalb eines Jahres von 2 auf 4 gestiegen, so wird er
voraussichtlich nach einem weiteren Jahr ca. bei 8 liegen.